Leitlinien für Lautsprachendolmetscher, die mit Gebärdensprachdolmetschern in einem Team arbeiten

Best Practices, um sicherzustellen, dass alles gut geht, wenn Lautsprachendolmetscher und Gebärdensprachdolmetscher in einer Konferenz zusammenarbeiten.

Sign Language Network

Lautsprachendolmetscher dolmetschen zwischen gesprochenen Sprachen. Gebärdensprachdolmetscher dolmetschen zwischen einer Lautsprache und einer Gebärdensprache oder zwischen zwei Gebärdensprachen.

1. Gebärdensprache [1]

Gebärdensprachen sind Sprachen, die sich in gleicher Weise wie Lautsprachen entwickelt haben und über ähnliche linguistische Eigenschaften verfügen. Es gibt nicht die eine, allgemeingültige Gebärdensprache, einige Länder verfügen sogar über mehrere Gebärdensprachen bzw. Dialekte. 

Allerdings wurde für internationale Veranstaltungen eine Hilfssprache entwickelt, die oft als Gestuno oder International Sign (IS) bezeichnet wird. Auch wenn es sich hierbei nicht um eine vollwertige Sprache handelt, bietet sie eine Kommunikationslösung für Fälle mit einem gemischten Publikum. Sie dient nicht dazu, die verschiedenen nationalen Gebärdensprachen zu ersetzen, kann aber eine angemessene Lösung für Besprechungen und Veranstaltungen auf europäischer und internationaler Ebene sein. [2]

2. Ausbildung und Qualifizierung

Gebärdensprachdolmetscher werden ausgebildet, um zwischen einer nationalen Gebärdensprache und der Lautsprache des Landes zu dolmetschen, in dem sie leben und arbeiten. Jedes europäische Land verfügt über ein eigenes Qualifizierungs- und Registrierungssystem für Gebärdensprachdolmetscher [3], andere Länder der Welt haben ebenfalls ihre eigenen Systeme. Gebärdensprachdolmetscher verpflichten sich zur Einhaltung der Berufsethik; darunter fallen Unbefangenheit, Vertraulichkeit, linguistische und berufliche Kompetenz sowie berufliche Weiterentwicklung.

3. Zusammenarbeit in gemischten Teams aus Gebärdensprachdolmetschern und Lautsprachendolmetschern

Gebärdensprachdolmetscher dolmetschen zwischen Lautsprache(n) und Gebärdensprache(n). Der Gebärdensprachdolmetscher dolmetscht, je nach angefragter Sprache, in eine nationale Gebärdensprache oder Gestuno. Wenn er in eine Lautsprache dolmetscht, liefert der Gebärdensprachdolmetscher das Relais für die Lautsprachendolmetscher. Umgekehrt benötigt er eventuell ein Relais von seinen Kollegen, die mit Lautsprache arbeiten. Gebärdensprachdolmetscher sind Teil des Dolmetscherteams. Vor Veranstaltungsbeginn sollte der Chef d’Equipe sicherstellen, dass alle Mitglieder des Teams über die Relais-Absprachen informiert wurden, vor allem, wenn dies nicht aus der Teamliste hervorgeht. Weitere Punkte, die angesprochen werden sollten, sind die Platzierung des Gebärdensprachdolmetschers und die Tatsache, dass die gleichen Pausen für das gesamte Team gelten. Wenn nötig, sollte der Chef d’Equipe diese Punkte auch dem Vorsitzenden der Veranstaltung erläutern. Signalisiert der Chef d’Equipe, dass die Sitzung für die Dolmetscher beendet ist, so schließt das auch die Gebärdensprachdolmetscher ein. 

4. Wo werden Gebärdensprachdolmetscher positioniert

Gebärdensprachdolmetscher arbeiten nicht in der Kabine wie Lautsprachendolmetscher. Sie arbeiten im Sitzungsraum oder Konferenzsaal, befinden sich in der Nähe der Redner und in einer Position, in der die gehörlosen Teilnehmer sie gut sehen können. Gebärdensprachdolmetscher müssen so platziert werden, dass die gehörlosen Teilnehmer sowohl den Dolmetscher als auch die Redner sehen können. Gebärdensprachdolmetscher verwenden Kopfhörer, um die Lautsprachendolmetscher zu hören, von denen sie eventuell Relais nehmen, sowie ein Handmikrofon, damit sie gehört werden, wenn sie das Relais stellen.



[1] http://www.eud.eu/publication/book-publications/sign-language-legislation-european-union-edition-ii/

[2] http://www.eud.eu/about-us/eud-position-paper/international-sign-guidelines/

[3] Wit, M. de (2016). Sign Language Interpreting in Europe, 2016 edition


Recommended citation format:
Sign Language Network. "Leitlinien für Lautsprachendolmetscher, die mit Gebärdensprachdolmetschern in einem Team arbeiten". aiic.at November 22, 2016. Accessed November 18, 2017. <http://aiic.at/p/7807>.