Kann man denen denn vertrauen?

Warum die berufliche Schweigepflicht zu den grundlegendsten Prinzipien unseres Berufes gehört.

Egal ob es sich um heikle Verhandlungen zwischen zwei Geschäftspartnern, um vertrauliche Gespräche auf höchster politischer Ebene oder um die Zwischenpräsentation von Ergebnissen im Rahmen einer klinischen Studie handelt: In diesen und unzähligen anderen Fällen treffen Personen aus verschiedensten Bereichen und Ländern aufeinander, um Informationen auszutauschen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Mehr noch: Oft hängt vom vertraulichen Umgang mit diesen Informationen sehr viel ab.

Sehr oft kommen in solchen Situationen Dolmetscherinnen und Dolmetscher zum Einsatz und wäre eine erfolgreiche Kommunikation ohne sie gar nicht erst möglich.

Aber kann man sich denn als Kundin oder Kunde darauf verlassen, dass die DolmetscherInnen die Ihnen anvertrauten Inhalte für sich behalten und nicht an Außenstehende weitergeben?

Berufliche Schweigepflicht

Genauso wie etwa AnwältInnen oder ÄrztInnen unterliegen auch DolmetscherInnen in ihrer Arbeit der beruflichen Schweigepflicht, wenngleich diese für die Tätigkeit des Dolmetschens - anders als im Falle der beiden anderen Berufsgruppen - nicht gesetzlich festgeschrieben ist.  

Neben anderen Grundsätzen der professionellen Berufsausübung gehört gerade die absolute Wahrung des Berufsgeheimnisses zu den Grundprinzipien unseres Berufes.

Nicht zufällig trägt die AIIC dem bereits in Artikel 2 ihres beruflichen Ehrenkodex Rechnung, der alle Mitglieder zur strikten Verschwiegenheit in Bezug auf sämtliche Informationen verpflichtet, die sie im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit in einem nicht öffentlichen Umfeld erhalten haben. Selbstverständlich dürfen AIIC-Mitglieder auch keinerlei persönliche Bereicherung aus vertraulichen Informationen ziehen, die ihnen im Zuge der Berufsausübung zu Ohren gekommen sind.

Foto: (c) AIIC Österreich

Dass dies keine leeren Worte sind, verdeutlicht nicht nur die Erwähnung der beruflichen Schweigepflicht an vorderster Stelle im beruflichen Ehrenkodex der AIIC. Vielmehr leben unsere Mitglieder diese Verpflichtung tagtäglich als selbstverständlichen Teil ihrer Arbeit bei politischen Konferenzen, Fachtagungen und geschäftlichen Veranstaltungen.

Viele AIIC-Mitglieder sind für internationale Organisationen wie die Europäische Union und die Vereinten Nationen, aber auch die NATO, die OSZE oder Europol tätig, in denen der vertrauliche Umgang mit Informationen ebenso von größter Bedeutung ist wie in der Wirtschaft.

Nachdem das Dolmetschen – genauso wie das (schriftliche) Übersetzen – allerdings kein geschützter Beruf ist und somit theoretisch jeder und jede ohne die geringste berufliche Qualifikation seine bzw. ihre Dienste anbieten kann, ist es auch für Kunden wichtig, sich auf eindeutige Qualitätsmerkmale verlassen zu können.

Neben einer fundierten Berufsausbildung ist dies vor allem die Mitgliedschaft in Berufsverbänden wie der AIIC, die Kriterien wie Professionalität, Qualität und eben auch die absolute Wahrung der beruflichen Verschwiegenheit hochhalten. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist, dass die Mitgliedschaft in der AIIC nicht einfach durch Begleichen eines Mitgliedsbeitrags zu erreichen ist, sondern erst nach Durchlaufen eines strengen Aufnahmeverfahrens, in dessen Verlauf AnwärterInnen ihre umfassende Berufserfahrung nachweisen müssen und erfahrene KollegInnen für ihre Qualität und Professionalität bürgen.

In der Verantwortung des Kunden bzw. der Kundin liegt es letztlich, sich nicht durch vermeintliche Vorteile wie etwa den niedrigsten Preis für eine Dolmetschleistung blenden zu lassen, sondern die ihm/ihr angebotene Dienstleistung zu prüfen und auf echte Qualitätsmerkmale zu achten, was ihn/sie auf lange Sicht vor unangenehmen Überraschungen bewahren kann.


Recommended citation format:
AIIC. "Kann man denen denn vertrauen?". aiic.at July 24, 2018. Accessed October 19, 2018. <http://aiic.at/p/8619>.